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Tourismuspolitische Positionen des TVN

(Stand August 2013)

Das Reiseziel Niedersachsen wird immer beliebter. Seit 2005 verzeichnet das Urlaubsland einen stetigen Wachstum. Erstmalig wurden in 2012 mehr als 40 Mio. Übernachtungen gezählt. Der Tourismus ist für Niedersachsen eine Leitökonomie. Mit 340.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist er größter Arbeitgeber und Imageträger zugleich. Ihn stetig weiterzuentwickeln ist damit für die im Land Niedersachsen handelnden Akteure eine zentrale Zukunftsaufgabe.

 

Mit den sich dynamisch ändernden wirtschaftlichen, umweltpolitischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen steht der Tourismus immer wieder vor neuen Herausforderungen. Daher sind laufend Anstrengungen zu unternehmen, um sich im nationalen und internationalen Wettbewerb weiterhin zu behaupten. Besonders vor dem Hintergrund der neuen EU-Förderperiode ab 2014 ist eine aktive und intelligente Neuaufstellung des Tourismus notwendig. Um den Wachstumstrend aufrechtzuerhalten sind innovative Konzepte und eine stärkere Unterstützung der Politik erforderlich.

 

Der Tourismusverband Niedersachsen e. V. (TVN) hat in seinem Positionspapier 13 Punkte zur positiven Ausgestaltung des Tourismus in Niedersachsen formuliert.

 1. Erarbeitung eines Landestourismuskonzeptes

Tourismuskonzepte bilden eine essenzielle Grundlage für eine strategisch ausgerichtete Tourismusentwicklung. Die Landesregierung hat die Erstellung eines Landestourismuskonzeptes angekündigt. Dabei sollen die Schwerpunkte in den Bereichen Aktiv- und Gesundheitstourismus und der Qualitätsverbesserung der touristischen Angebote im Sinne eines „Tourismus für Alle“ liegen. In das Konzept einzubinden sind u. a. zwingend die Initiativen aus den Masterplanregionen Harz, Lüneburger Heide, Weserbergland, Nordsee und GEO (Grafschaft Bentheim-Emsland-Osnabrücker Land), um daraus weitere Projekte und Maßnahmen für Niedersachsen zu identifizieren und deren Umsetzung zu unterstützen.

 Die Fortführung des deutschlandweiten Konzeptes „Tourismusperspektiven im ländlichen Raum“ wird auch für Niedersachsen von zentraler Bedeutung sein. Aufgrund des starken Aufwärtstrends für den ländlichen Tourismus ist es zwingend notwendig, das Thema Landtourismus mit im Landestourismuskonzept zu manifestieren. Niedersachsen ist ein Flächenland, auch durch Landtourismus können wir dörfliches Leben erhalten. Davon profitiert unsere gesamte Bevölkerung, denn der Tourismus schafft Arbeitsplätze und Kaufkraft im ländlich schwach strukturierten Raum und sichert Lebensqualität für die Einwohner. Das Konzept sollte auch dezidiert Aussagen zur zukünftigen Tourismusförderung auf Basis der neuen Richtlinien der EU-Strukturfondsförderperiode enthalten.

 2. Fokus auf Regionen

 Neben den von der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) initiierten landesweiten Urlaubsthemen werden von den Gästen vor allem die Regionen wahrgenommen.

 Die Konzeptplanung und Umsetzung von Maßnahmen, die die Regionen in ihrer Entwicklung zu wettbewerbs- und zukunftsfähigen Destinationen unterstützen, bedürfen auch weiterhin der schwerpunktmäßigen Förderung durch das Land.

 3.    Zuständigkeiten benennen und Tourismusförderung effizient gestalten

Der Bereich Tourismus als Wirtschaftsfaktor wird bislang von der Landesregierung als   ein Querschnittsressort aus zahlreichen anderen Politikfeldern behandelt. Eine Bündelung der politischen Aktivitäten und Vorhaben durch ein Ressort findet nicht statt. Dies hat zur Folge, dass eine interministerielle Abstimmung zwischen den einzelnen Fachressorts nicht gegeben ist und somit die immer weniger werdenden finanziellen Mittel nicht effektiv eingesetzt und die Ziele einer effizienten Tourismusförderung eher   konterkariert werden.

Die Landesregierung sollte das für den Bereich Tourismus zuständige Wirtschaftsministerium als federführendes Fachressort im Land benennen. Von dort sollte eine namentlich benannte Person als „Tourismusbeauftragter der Landesregierung“ die tourismuspolitischen Planungen und Aktivitäten bündeln und innerhalb der  Ministerien koordinieren. Dieser Ansprechpartner muss auch den  Touristikern im Lande als Mittler bekannt gemacht werden. Dieser Lösungsansatz muss im Landestourismuskonzept fest verankert sein.

 4.    Unterausschuss Tourismus

Im Hinblick auf die eingangs dargestellte große Bedeutung des Tourismus für das Land Niedersachsen fordert der TVN die Einrichtung eines eigenen Unterausschusses Tourismus durch den Niedersächsischen Landtag, in dem alle relevanten Akteure der         Tourismuswirtschaft und -politik vertreten sind.

 5.    Stärkung der Landesmarketingorganisation

 Die TMN hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Reiseland Niedersachsen national und international zu vermarkten. Dabei nimmt die Internationalisierung und die Erschließung von Wachstumsmärkten im Ausland einen besonderen Stellenwert ein.

Zukünftig will die neue Landesregierung den Aktiv- und Gesundheitstourismus und die  Qualitätsverbesserung der touristischen Angebote im Sinne eines „Tourismus für Alle“ stärker unterstützen. Aus Sicht des TVN sollten dabei die umweltschonenden und nachhaltigen Aspekte nicht fehlen. Denn dies ist der Trend, nach dem Gäste zunehmend die Entscheidung für ihr Reiseziel ausrichten. In Zeiten von Tourismusboom und Klimawandel ist es ein besonderes Anliegen, dass sich der Tourismus im Land nachhaltig entwickelt. Das sollte mit Blick auf die gesamte Breite der Nachhaltigkeit, im ökologischen, wirtschaftlichen und auch im sozialen Bereich geschehen.

Die Entwicklung von innovativen landesweiten Produkten erfordert eine intensive Beobachtung der aktuellen Trends und Marktentwicklungen inkl. der Meinungsforschung bei derzeitigen und potenziellen Gästen des Landes. Damit verschärfen sich auch die Anforderungen an ein zielgruppengerechtes Marketing. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Mittelausstattung der TMN noch ausbaufähig. Daher bedarf es zukünftig einer weiteren Aufstockung der Mittel durch die Landesregierung. Zumindest muss aber der Status Quo erhalten bleiben.

6.    Instrumente zur öffentlichen Finanzierung des Tourismus besser gestalten

Die Tourismusinfrastruktur und das Tourismusmarketing in Niedersachsen werden überwiegend aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert. Neben dem Gast profitieren hauptsächlich die Gewerbetreibenden vom Tourismus.

Der TVN bekennt sich klar gegen die „Bettensteuer“. Es sollten gerechtere Instrumente geschaffen werden, die alle vom Tourismus Profitierenden stärker in die Finanzierung einbeziehen. Dabei stellt die vielerorts eingeführte Fremdenverkehrsabgabe in prädikatisierten Tourismusorten ein rechtssicheres, zweckgebundenes und lösungsorientiertes Finanzierungsmodell dar. Die Landesregierung sollte zukünftig allen Tourismusorten den Weg zu einer Tourismusabgabe öffnen und eine mögliche Erweiterung mit einer einhergehenden Gesetzesänderung im Niedersächsischen Kommunalabgabengesetz prüfen. Derzeit ist die Erhebung der Fremdenverkehrsabgabe nur in staatlich anerkannten und nach der Niedersächsischen Kurortverordnung prädikatisierten Kur- und Erholungsorten möglich.

7. Entzerrung der Ferienregelung

Der TVN plädiert bei der Abstimmung zur neuen Ferienregelung für eine Lösung, die sowohl die tourismuspolitischen, verkehrspolitischen als auch die pädagogischen Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Zukünftig sollte der Ferienzeitraum eine Spanne von mindestens 90 Tagen enthalten. Massive Überschneidungen mit dem Inlandshauptquellgebiet Nordrhein-Westfalen sind zu vermeiden. Auch eine mögliche Einführung von Pfingstferien sollte in einem Dialog zwischen der Landesregierung und der Tourismuswirtschaft in Niedersachsen offen diskutiert werden.

8. Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur

Eine gut ausgebaute und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit einer Urlaubsregion. Bisher mangelt es an besseren, umsteigefreien und schnellen Bahnverbindungen aus den Hauptquellgebieten direkt in die Zentren des Tourismus. Der TVN begrüßt daher die Initiative der neuen Landesregierung zur Reaktivierung von Bahnstrecken.

Als nicht zufriedenstellend wird vom TVN die überregionale Straßenanbindung einiger touristischer Schwerpunktorte im ländlichen Raum bewertet. Auch die Mobilität innerhalb der Tourismusorte sollte angesichts der verändernden gesellschaftlichen und umweltbezogenen Aspekte sichergestellt werden.

Im Bereich des Wassertourismus wird für Niedersachsen ein hohes Potential gesehen. Mit Sorge betrachtet der TVN daher die geplante Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). Es ist zu befürchten, dass sich der Bund damit zukünftig vollständig aus der Unterhaltungspflicht der Wasserstraßen in Niedersachsen zurückziehen wird. Nachteilig betroffen sind - trotz hoher wassertouristischer Bedeutung - an der Weser: Oberweser, Fulda und Aller, an der Ems: „Obere Ems“, Elisabethfehnkanal und Leda, an der Elbe: Ilmenau, Este, Lühe, Schwinge und Ruthestrom. Durch eine mögliche bevorstehende Renaturierung ist dann die Befahrbarkeit dieser Gewässer für Sportboote und die Personenschifffahrt zukünftig nicht mehr gewährleistet.

Die WSV-Reform darf keinesfalls zu Lasten des Wassertourismus, der einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor für Niedersachsen darstellt, gehen. Gerade im wasserreichen Flächenland Niedersachsen muss mindestens der Status Quo erhalten bleiben.

9.   Vernetzung der touristischen Infrastruktur

Zukünftig will das Land Niedersachsen den Natur- und Aktivtourismus stärker unterstützen. Dabei kommt dem Erhalt und Ausbau des Radwegenetzes im Tourismus eine hohe Bedeutung zu. Der TVN begrüßt die Initiative der Landesregierung, mehr Mittel für den Radwegebau bereitzustellen. Dabei sollte auch die Vernetzung, insbesondere auch länderübergreifend in Richtung Niederlande, forciert werden. Gleiches gilt auch für die Sportbootschifffahrt auf Kanälen und Flüssen.

10. Rücksichtnahme auf touristische Belange bei der Landesraumordnungsplanung

Der eigenständige Charakter von Natur und Kultur bildet die (touristische) Existenzgrundlage für die Urlaubsregionen in Niedersachsen. Bei den Überlegungen der Bundesregierung zum Ausbau von regenerativen Energien und deren Speicherung hat der Schutz von Natur- und Kulturlandschaften Vorrang. Keinesfalls darf die energiepolitische Notwendigkeit zu Lasten eines etablierten Wirtschaftszweiges mit seinen standortsicheren Arbeitsplätzen gehen. Die touristischen Ziele müssen im Landesraumordnungsprogramm stärker berücksichtigt werden.

11. Qualitätsinitiativen fördern

Guter Service und eine hohe Qualität sind im Tourismus unverzichtbar und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Gästezufriedenheit und Nachfragesicherung. Daher gilt es, Weiterbildungsangebote für Mitarbeiter entlang der gesamten touristischen Servicekette zu schaffen, die das Qualitätsbewusstsein fördern und ausbauen. Die Initiative „ServiceQualität Deutschland“ ist ein wichtiges Instrument und Grundlage, um das Qualitätsbewusstsein in allen touristischen Segmenten zu steigern. Darüber hinaus sollten auch Zertifizierung und damit eine Verbreitung der Gütesiegel des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes e. V. (Hotels) und des Deutschen Tourismusverbandes e. V. (Ferienhäusern/-wohnungen und Privatzimmer) aktiv unterstützt und eingefordert werden. Bei der Gewährung von Fördermitteln sollte eine entsprechende Zertifizierung des  Antragstellers nachweislich vorliegen.

12. Initiativen zur Gewinnung von Nachwuchskräften unterstützen

Die Gewinnung von touristischen Nachwuchskräften wird zu einer zentralen Zukunftsaufgabe. Das Land sollte gemeinsam mit der Tourismuswirtschaft Initiativen entwickeln und Hilfestellung bei der Generierung von Fachkräften leisten und die praxisorientierte Ausbildung an den niedersächsischen Berufs- und Hochschulen sicherstellen und sich für eine leistungsgerechtere Vergütung einsetzen. Darüber hinaus sollte die Qualifzierung (z. B. durch entsprechende Bildungsmaßnahmen) von Quereinsteigern ebenso Berücksichtigung finden.

13. Optimierung der amtlichen Tourismusstatistik

Gemäß Paragraph 3 in Verbindung mit Paragraph 6 des Beherbergungsstatistikgesetzes werden gewerbliche Beherbergungsbetriebe mit mehr als 10 Betten bzw. mehr als drei Stellplätzen auf Campingplätzen zur monatlichen Beherbergungsstatistik herangezogen. Aus der Statistik lassen sich wichtige Entscheidungen zur Tourismuspolitik des Landes und Maßnahmen zum Marketing und Infrastrukturplanungen ableiten.

Die amtliche Beherbergungsstatistik kann derzeit eine lückenlose Datenerhebung über die Beherbergungsstruktur und damit das tatsächliche Fremdenverkehrsaufkommen in Niedersachsen nicht gewährleisten. Zwischen einer Betriebseröffnung und der ersten Aufnahme in die Statistik liegen manchmal Jahre. Die zeitliche Verzögerung verursacht ein statistisches Wachstum und die aktuellen Entwicklungen werden nicht korrekt abgebildet.

Problematisch ist vor allem die Tatsache, dass der „Graue Beherbergungsmarkt“ (Übernachtungen in Privatquartieren unter 10 Betten, Bekannten und Verwandtenbesuche, Dauercamping, Freizeitwohnungen) in der Statistik keine Berücksichtigung findet. Dies hat zur Folge, dass in Regionen mit einer eher kleinteiligen Beherbergungsstruktur keine Bewertung der touristischen Kennzahlen und damit auch  konkreten Aussagen zum Wirtschaftsfaktor Tourismus nur eingeschränkt möglich sind.

Vor diesem Hintergrund fordert der TVN eine Aufnahme der Betriebe unter 10 Betten und der Dauercampingstellplätze in die Amtliche Statistik. Auch eine engere interministerielle Abstimmung zwischen dem federführenden Innenministerium und dem Wirtschaftsministerium bzw. der TMN wäre wünschenswert.